Düsseldorfer Tabelle

Düsseldorfer Tabelle

Die Düsseldorfer Tabelle hilft, den Unterhaltsbedarf von Kindern zu berechnen. Um zu vermeiden, dass die einzelnen Familiengerichte unterschiedliche Bedarfssätze ansetzen, soll die Rechtsprechung im Bundesgebiet möglichst vereinheitlicht und somit das Familienrecht vorhersehbar gestaltet werden.

Die Düsseldorfer Tabelle bestimmt deshalb den Unterhaltsbedarf von Kindern verschiedener Altersstufen. Eine Unterscheidung zwischen neuen und alten Bundesländern gibt es nicht mehr.

Das bereinigte Nettoeinkommen bestimmt den Unterhalt

Die Festsetzung des Bedarfs orientiert sich nach dem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils. Maßgebend ist das bereinigte Nettoeinkommen, das zum Teil unter dem reinen Nettoeinkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils liegt. Dieses bereinigte Nettoeinkommen ergibt sich dadurch, dass berufsbedingte Aufwendungen das Nettoeinkommen reduzieren.

So kann der unterhaltspflichtige Elternteil ohne Nachweise mindestens eine Pauschale von 5 % geltend machen (mindestens 50 Euro, höchstens jedoch 150 Euro im Monat). Höhere Kosten müssen nachgewiesen werden. Außerdem verbleibt dem Unterhaltspflichtigen ein Selbstbehalt als notwendiger Eigenbedarf.

Die Düsseldorfer Tabellen verschiedener Jahre finden Sie hier.

Die Düsseldorfer Tabelle kennt zehn Einkommenssätze und vier Altersstufen

Besuchsrecht Vaterschaft RechtsanwaltDementsprechend ist die Düsseldorfer Tabelle in zehn verschiedene Einkommensstufen aufgeteilt. In der ersten Stufe wird ein Einkommen zunächst bis zu 1500 Euro, in der zweiten Stufe bis zu 1900 Euro, in der dritten Stufe bis zu 2300 Euro und jeweils zusätzliche 400 Euro bis zu einem Höchsteinkommen von bis zu 5100 Euro unterschieden.

Bei Einkommen über 5100 Euro entscheiden die Umstände des Einzelfalles. In der ersten Stufe der Düsseldorfer Tabelle entsprechen die Unterhaltsbeträge für Kinder von 0-17 Jahren dem sogenannten Mindestunterhalt. Dieser Mindestunterhalt orientiert sich an den einkommenssteuerrechtlichen Kinderfreibeträgen. Steigen diese, steigt auch der Mindestunterhalt.

Zwar sind die Tabellensätze nichts weiter als bloße Empfehlungen, sie werden aber von Gerichten, Rechtsanwälten und Jugendämtern in der Gerichtspraxis als verbindlich akzeptiert. Abweichende Entscheidungen sind in begründeten Fällen durchaus möglich. Die Düsseldorfer Tabelle wird alle zwei Jahre aktualisiert und die Unterhaltssätze den Lebenshaltungskosten angepasst.

Beispielsweise erhalten Kinder im Alter von 6 – 11 Jahren bei einem Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils bis zu 2700 Euro netto einen Unterhaltsbetrag von 419 Euro (Stand 2012). Der Kindesunterhalt für volljährige Kinder, die noch im Haushalt eines Elternteils leben, errechnet sich nach der vierten Altersstufe der Düsseldorfer Tabelle. Lehrlinge müssen sich ihre Ausbildungsvergütung bis zu einem gewissen Betrag anrechnen lassen.

Bedarfskontrollrechnung

Teilweise verlangen die Oberlandesgerichte noch eine Bedarfskontrollrechnung. Demgemäß enthält die Düsseldorfer Tabelle auch noch eine Spalte „Bedarfskontrollebeträge“, die nicht mit dem Eigenbedarf identisch sind. Damit soll eine ausgewogene Verteilung des Einkommens zwischen der unterhaltspflichtigne Person und den unterhaltsberechtigten Kindern ermöglicht werden.

Wird der Bedarfskontrollbetrag bei Berücksichtigung weiterer Unterhaltspflichten unterschritten, kann der Betrag der nächstniedrigeren Gruppe der Düsseldorfer Tabelle angesetzt werden.

Unterhaltsleitlinien der Oberlandesgerichte

Gericht Düsseldorfer Tabelle Kiel Eckernförde RendsburgZusätzlich wird die Düsseldorfer Tabelle durch die Unterhaltsleitlinien der einzelnen Oberlandesgerichte ergänzt. Auch sie sind lediglich eine Arbeitshilfe für die Gerichte und haben keinesfalls den Rang eines Gesetzes. Sie enthalten Angaben, wie im jeweiligen Gerichtsbezirk der Unterhalt zu berechnen ist. Es werden Angaben zur Ermittlung des Nettoeinkommens gemacht, zur Anrechnung von Spesen und Fahrtkosten oder zu den Selbstbehaltsätzen des Ehegattenunterhaltsbedarfs. Zwar decken sich die Leitlinien der einzelnen Oberlandesgerichte weitgehend.

Dennoch haben einige Gerichte spezielle Eigenheiten. Beispielsweise gibt es nur beim OLG Frankfurt eine Obergrenze für den Ehegattenunterhalt. So kommt es für die Berechnung des Unterhalts darauf an, in welchem Bezirk eines Oberlandesgerichts sich das zuständige Familiengericht (Amtsgericht) befindet. Im Gerichtsbezirk Düsseldorf sind beispielsweise die „Leitlinien zum Unterhalt zur Ergänzung der Düsseldorfer Tabelle, herausgegeben von den Senaten für Familiensachen des Oberlandesgerichts Düsseldorf“ zu berücksichtigen.

Düsseldorfer Tabelle orientiert sich an zwei Unterhaltsberechtigten

Die Düsseldorfer Tabelle geht ab dem Jahr 2010 von zwei unterhaltsberechtigten Personen aus. Die Tabelle 2009 unterstellte noch drei unterhaltspflichtige Personen. Die Tabelle weist jetzt den monatlichen Unterhaltsbedarf für zwei undterhaltsberechtigte Personen aus, also in der Regel für Mutter und ein Kind.

Sind mehrere Kinder unterhaltsberechtigt, nehmen die Familiengerichte jetzt meist Abschläge vor, indem sie die nächst niedrigere Einkommensstufe zu Grunde legen, so dass der Unterhaltsverpflichtete teilweise entlastet wird. Damit soll auch der deutliche Anstieg der Unterhaltsleistungen im Vergleich zum Vorjahr, der immerhin rund 15 % betrug, abgemildert werden.

Kindergeld nicht vergessen

Von den Tabellenbeträgen der Düsseldorfer Tabelle muss das hälftige Kindergeld dann in Abzug gebracht werden, wenn das Kindergeld an den betreuenden Elternteil ausgezahlt wird. Wird das Kindergeld an den unterhaltspflichtigen Elternteil ausgezahlt, so muss das halbe Kindergeld hinzugerechnet werden.

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