Kapitalanlagebetrug

Börse Recht Kieler RechtsanwaltNicht nur reiche Leute laufen Gefahr, Opfer eines Kapitalanlagebetrügers zu werden. Es scheint ein genetisches Merkmal des Kapitalanlagebetrugs zu sein, dass ständig gutgläubige Anleger trotz vielfältiger Warnungen von Verbraucherschutzorganisationen und Strafverfolgungsbehörden blindlings den substanzlosen Versprechungen der Täter vertrauen.

Kapitalanlage ist Vertrauenssache

Das Bild, das den Kapitalanlagebetrüger kennzeichnet, ist fast immer das gleiche. Man hat es mit einem vornehm gekleideten Herrn meist im mittleren Alter zu tun, der in einem Fahrzeug der gehobenen Oberklasse vorfährt, über erstklassige Manieren verfügt, kommunikationsfreudig ist und schnell das Vertrauen seines Opfers erreicht. Mit dieser Persönlichkeit ist oft ein scheinbar beeindruckender Name, häufig in Verbindung mit einem akademischen oder gar adligen Titel verbunden. Gerne trifft man sich in öffentlichen Räumen, selten in den eigenen Räumlichkeiten des Betrügers.

Geworben wird mit teils aufwändig gestalteten Prospekten, die vornehmlich Bilder enthalten, textliche Informationen weitgehend vermissen lassen und allenfalls nichtssagende Lobpreisungen bekunden. Das potentielle Opfer hat schnell das Gefühl, sich mit seinem Geld in die große weite Welt einkaufen zu können und Zugang zu Informationen und Verdienstquellen zu erhalten, die normalen Menschen verschlossen sind.

Anlageempfehlungen per Telefon und Internet

Kapitalanlagebetrug Anwalt KielBesonders dreist sind Werbeversuche am Telefon. Kein ernstzunehmender Vermittler einer Kapitalanlage wird unaufgefordert einen potentiellen Anleger telefonisch kontaktieren (Cold Calling), den er allenfalls dem Namen nach kennt und ihm ein Angebot zu unterbreiten, das offiziell nur einem individuellen Anlegerkreis zugänglich ist. Zudem: Cold Calling ist verboten.

Ebenso oft und fast immer auch die telefonischen Werbemaßnahmen begleitend ist die Meinungsmache über das Internet, Fax und sogenannte Börsenbriefe. Da werden aus dem Schutz der Anonymität heraus Anlageempfehlungen gegeben, die scheinbar das am Telefon gesagte unterstreichen. Trau, schau, wem: Hinterfragen Sie immer die Quelle dieser vermeintlich gutgemeinten „Informationen“ und fragen Sie sich, welche Motivation hinter der Verbreitung der „Nachrichten“ stecken könnte.

Wie einfach der Kapitalanlagebetrug in Zeiten des Internets und des freien Geldverkehrs ist, haben wir am Beispiel des Scalping gezeigt.

Dieses Angebot ist einmalig und nur ausgewählten Personenkreisen zugänglich

Knappheit und Termindruck vorzutäuschen ist eines der beliebtesten Werkzeuge erfolgreicher Verkäufer. Auch beim Kapitalanlagebetrug bedient man sich häufig dieser Stilmittel und kombiniert das mit der Gier, um zum Abschluss zu kommen. Fast immer wirbt der Betrüger damit, dass er vorgibt, einzigartige Renditen anbieten können, die nur wenigen Menschen offeriert werden, nur und gerade jetzt in dieser Zeit möglich sind und der Anleger sich nur beteiligen kann, wenn er sich möglichst schnell, am besten sofort und auf der Stelle, für diese Anlage entscheidet. Tatsache ist jedoch, dass es sich bei derartigen, deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegenden Renditen entweder um extrem hochspekulative Geschäfte handelt oder eben ein Anlagebetrüger am Werk ist.

Es gilt der Grundsatz, dass niemand Geld zu verschenken hat. Je verführerischer ein solches Anlageangebot erscheint, umso misstrauischer müsste ein Anleger sein und umso intensiver müsste er sich mit dem Angebot eigentlich auseinandersetzen. Tatsächlich ist es so, dass sich viele Anleger zur sofortigen Unterschrift bewegen lassen und jegliches gesunde Misstrauen zur Seite schieben.

Keine Angst vor Fachbegriffen

Bank Kapitalanlagebetrug Rechtsanwalt KielAnleger gestehen sich oft nicht ein und scheuen vor nachfragenden kritischen Anmerkungen zurück, wenn sie bewusst und zielgerichtet mit Begriffen konfrontiert werden, die sie nicht verstehen, die aber den Anschein erwecken, als sei der Anlagebetrüger kompetent und das Angebot allein aufgrund der Begrifflichkeit attraktiv.

Doch, einen Fachbegriff sollten Sie kennenlernen: Scalping. So wird unter Juristen der Kapitalanlagebetrug mit wertlosen Wertpapieren genannt. Indem Sie verstehen, wie Scalping funktioniert, können Sie sich dagegen schützen!

Quellenschutz verhindert Publizität

Anleger müssen Quellenschutzvereinbarungen unterzeichnen, die hohe Vertragsstrafen für den Fall vorsehen, dass das Geschäft Dritten zugänglich gemacht wird. Auch damit will der Anlagebetrüger verhindern, dass sich der Anleger Dritten mitteilt und vorzeitig misstrauisch wird.

Kapitalanlagen ohne Hand und Fuß

Im Handel mit Bankgarantien (letter of credits / SLC / LOC) werden bombensichere Renditen bis zu 50 % versprochen, die angeblich seriöse Großbanken risikofrei erwirtschaften. Erwerber von Mietimmobilien werden mit kaum werthaltigen Mietgarantien beworben, ohne die Bonität der Mieter und die Werthaltigkeit des Objekts realistisch überprüfen zu können. Zins- und tilgungsfreie Kredite begeistern jedermann. Allerdings ist die Teilhabe nur möglich, wenn der Anleger einen Anteil Eigenkapital investiert, der in irgendwelche Tradinggeschäfte angelegt wird und Zins und Tilgung erwirtschaftet, so dass sich der Kredit nach einigen Jahren selbst erledigt.

Vorsicht vor Schneeballsystemen

Kiel Rechtsanwalt SchneeballsystemKapitalanlagebetrug funktioniert oft nur als Schneeballsystem. Der Kapitalanleger zahlt anfänglich Zinsen an die Anleger aus, die er aus den Einnahmen nachfolgender Kapitalanleger finanziert. Gelingt es ihm nicht, beständig Anleger an Land zu ziehen, bricht das System irgendwann zusammen. Spätestens dann, wenn ein Anleger sein Kapital zurückverlangt, muss der Kapitalanlagebetrüger Farbe bekennen. Er wird den Anleger vertrösten, sich auf zeitliche oder berufliche Hindernisse berufen, dann vielleicht einen akuten Liquiditätsengpass eingestehen und irgendwann nicht mehr erreichbar sein. Von dem ihm übergebenen Geld fehlt regelmäßig jegliche Spur.

Nach dem Kapitalverlust klingelt die Steuerfahndung

Noch schlimmer kommt es für den Anleger, wenn sich im Nachhinein die Steuerfahndung meldet und feststellt, dass der Anleger auf die in den Vorjahren von dem Kapitalanlagebetrüger erklärten Zinserträge keine Abgeltungssteuer entrichtet hat. Selbst wenn dem Anleger die deklarierten Zinserträge nicht ausbezahlt wurden, muss er diese versteuern. Neben dem Verlust seines Kapitals muss er dann auch noch nicht erhaltene Zinsen versteuern. Hat der Anleger zudem noch Schwarzgeld investiert, potenziert sich das Problem.

Kapitalanlagebetrug ist oft schwierig beweisbar

Rechtsanwalt Kiel KapitalanlagebetrugKapitalanlagebetrug ist ein Straftatbestand (§ 264 a StGB). Danach macht sich bereits derjenige strafbar, der im Anlagebereich Werbematerial herausgibt, das im Hinblick auf die Anlageentscheidung eines Anlegers wesentliche Umstände verschweigt, beschönigt oder unterschlägt. Auf einen eingetretenen konkreten Schaden kommt es nicht an. Schwierig hat sich dabei die Definition des Begriffes der Erheblichkeit erwiesen, so dass die Vorschrift in der Praxis in ihrer Bedeutung hinter dem allgemeinen Tatbestand des Betruges (§ 263 StGB) zurücksteht.

Ermitteln die Strafverfolgungsbehörden wegen betrügerischen Handelns, geht es oft um die Frage, ob der Anleger tatsächlich getäuscht wurde. Geschickte Betrüger erläutern in ihren Unterlagen wortreich mögliche Risiken ihres Angebots, schwächen diese aber im Begleitgespräch wieder ab und berufen sich dann später auf die umfassende, in dem Werbematerial dokumentierte Aufklärung.